In den Monats-Kolumnen schreiben Mitarbeiter der dem BCS angeschlosssenen Organisationen Texte zu aktuellen Zeitfragen.
von Dr. Daniel Regli, Präsident Familienlobby Schweiz
T i t a n i c & C o n c o r d i a
Die Schiffskatastrophe vor der toskanischen Küste im Januar 2012 ruft gerade dazu auf, die Havarie als Fingerzeig Gottes zu interpretieren. 1912 sank die Titanic, das sogenannte Wunderwerk der Technik, das allen Gefahren des Meeres hätte trotzen sollen. Die Hybris des Menschen zahlte damals mit 1'500 Toten einen hohen Preis. Nun, 100 Jahre später ist es der gekenterte Luxusliner 'Costa Concordia', der die Menschheit zum Nachdenken bewegen soll.
1912 war es der 'titanische Stolz auf den technischen Fortschritt', der die Menschen blind machte für die Gefahren des Lebens. 2012 sind es die 'Errungenschaften einer egoistischen Konsum- und Rauschgesellschaft', welche zur Katastrophe führen. Kenterte damals die 'Titanin' der Meere, ist es heute die 'Concordia' einer zunehmend lieblosen Gesellschaft. 'Concordia' ist der lateinische Begriff für 'Eintracht'. Wenn zwei Menschen ihre Herzen vereinen, ist dies das Fundament für Freundschaft und Liebe. Es gibt keine Liebe ohne Verzicht und Opfer! Menschen, deren höchste Ziele der Genuss und die Selbstverwirklichung sind, werden das Geheimnis der Eintracht nicht erfahren. Sie mögen sich 'sozial' und 'solidarisch' nennen, sind aber letztlich beziehungsunfähig. Die havarierte 'Concordia' besagt, dass westliche Egoisten in Bezug auf ihre Liebe und Eintracht gekentert sind.
Die Hochglanzbroschüren unserer Gesellschaft versprechen uns, dass wir unsere Kinder abtreiben können, wenn sie gerade nicht in unsere Lebensplanung passen, ... dass wir unsere Nachkommen, die's auf die Welt schaffen, in Krippen und Horte abschieben können; ... dass wir die Liebe und Förderung unserer Söhne und Töchter irgendwelchem Fremdpersonal anvertrauen können; ... dass wir Ehe- und Sexpartner jederzeit und ohne Einschränkung wechseln können... und dass wir trotz alledem noch in 'Liebe und Eintracht' leben. Bei so viel Selbstbetrug war's wohl einfach mal an der Zeit, die Farce einer solchen 'Concordia' zu demaskieren.
Da muss der Allerhöchste nicht etwa selber Eisberge und Strandfelsen bereitstellen, um Schiffe zu versenken und die Menschen in die Grenzen zu weisen. Nein! Der menschliche Hochmut reicht bestens dazu aus, kleine und grosse Katastrophen herbei zu führen. Gott zieht einfach Seine schützende Hand ein wenig zurück und lässt der Sache schweren Herzens ihren Lauf. Denn Er will ja nicht das Unglück, sondern das Glück der Menschen.
Wenn wir zu wahrer Eintracht zurückkehren wollen, ist der Schutz des Lebens im Mutterleib ein erster wichtiger Schritt. Das Jahr 2012, in welchem sich in der Schweiz zum 10. Mal die Einführung der Fristenlösung jährt, gibt uns Gelegenheit zur Korrektur unseres Verhaltens. Denn, wer will schon auf Grund laufen!?
von Urs Vögeli, stud.rer.pol, Mitarbeiter Zukunft CH
Wie geistlich politisch sein kann
Vor tausenden von Gästen feierte an Pfingsten 2011 die Freikirche ICF Zürich (International Christian Fellowship), eine der besucherreichsten und innovativsten Gemeinden der Schweiz, fulminant ihr 15-jähriges Bestehen. Höhepunkt des ganzen Kongresses war ein vielseitiger und eindrücklicher Gottesdienst am Sonntagabend mit Musik und Show, aber auch Tiefgang. Senior Pastor Leo Bigger predigte sehr bildlich und untermalte mit vielen Zahlen und Fakten über den Wert des Lebens und des Menschen. Obwohl die Botschaft in erster Linie dazu da war, den Menschen Mut und Zuversicht, Hoffnung und Ermutigung zuzusprechen, war sie aber auch, ob bewusst oder nicht, zutiefst gesellschaftspolitisch. Dies in dreierlei Hinsicht:
1. Eine Hauptaussage der Predigt war, dass wir kein Zufall sind. Wir sind von einem Schöpfer erdacht und gewollt. Die Menschheit und der einzelne Mensch sind keine zufälligen Produkte eines unpersönlichen Kampfes von allen gegen alle. Diese Aussage lehnt sich gegen die momentane naturwissenschaftliche Lehrmeinung und situiert ein komplett anderes Menschen- und Weltbild. Sehr im Kontrast zur Evolutionslehre, welche die Entstehung des Menschen als mechanistischen Prozess durch Konkurrenz, Fressen und Gefressenwerden, und „survival of the fitest“ sieht, wird eine mehr optimistische und sinngebende Entstehungsgeschichte der Welt vertreten und gelehrt. Dies ist ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema.
2. Mein persönliches Highlight der Predigt war ein Auftritt einer hoch schwangeren Frau, welche mit Bett und Ultraschallequipment auf die Bühne gefahren wurde. Das Publikum wurde Zeuge einer medizinischen Routineuntersuchung und hat live miterlebt, wie das ungeborene Leben bestaunt und gewürdigt wurde. Dieser kleine Mensch lebt, sein Herz schlägt schon, er wächst und entwickelt sich und erfüllt schon einen einzigartigen Plan. Man könnte es mindestens als moralisches Statement bezeichnen, dass ein ungeborenes Kind im Mutterleib schon ein Mensch ist, ein Mensch mit Wert, ein Mensch mit Würde. Im Kampf um den Schutz des ungeborenen Lebens vor Abtreibung war es aber ein sehr politischer Standpunkt und hat, so hoffe ich, die Gäste des Gottesdienstes ein Stückchen mehr für die Anliegen der Abtreibungsgegner sensibilisiert.
3. Das abschliessende Motto des Gottesdienstes war: „Take a stand“. Nimm einen Standpunkt ein! Nimm den christlichen Standpunkt ein, steh dazu, steh auf, steh für Christus und das Evangelium ein, steh für die Werte der Bibel ein! Dies verstehe ich nicht nur als einen evangelistischen Auftrag, sondern auch als einen gesellschaftlichen, was die Politik miteinschliesst. Wir Christen sollten wieder vermehrt für unsere Überzeugungen und Ansichten einstehen, mögen sie auch noch so unpopulär sein. Stehen wir für unser Gottesbild genauso ein, wie für unser Menschen- und Weltbild, was uns unweigerlich hin zu politischen Fragestellungen und Themen führt.
Ich danke hiermit Herrn Bigger und dem ICF Zürich für diesen sicher geistlich gemeinten, aber auch gesellschaftlich und politisch gesehen werteprägenden Auftritt.